Grischa Georgiew

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Als wir Grischa zum Interview für die Ausgabe 02 des SWAN Magazines trafen, war er ganz relaxed. Grischa ruht in sich selbst. Und es dauerte nur wenige Minuten, da war sein Fotografenherz geweckt und es sprudelte nur so aus ihm heraus.

Das Interview mit ihm war so inhaltsvoll, dass wir daraus die Interviewtexte von zwei weiteren Fotografen hätten zusammensetzen können. Doch wir entschieden uns für einen anderen Weg: Die wichtigsten Informationen landen direkt im Heft und den Rest setzen wir für unseren Blog ein.

Hier ist er nun – der „letzte Rest vom Schützenfest“… 😉

SWAN Magazine: Grischa, Du zeigst auf den üblichen Social Media Kanälen sehr viele aufwändig produzierte Kunstwerke. Wie entstehen die Ideen zu diesen unterschiedlichen Sets und wie findest Du das passende Model dazu?

Grischa Georgiew: Da ich im normalen Leben einen Vollzeitjob mit 40 Wochenstunden und mehr nachgehe und Frau und Kinder habe, betreibe ich die Fotografie nur als Hobby. Daher komme ich vergleichsweise selten zum Shooten. In der Regel sind das ein- bis maximal zweimal im Monat. Deshalb freue ich mich auch immer sehr drauf. Und so ein Shooting ist nach wie vor etwas Besonderes für mich.

Die Herangehensweise kann aber sehr unterschiedlich sein – je nachdem wer zuerst da war…

Als sich mir die Möglichkeit eröffnete in einem wunderschönen Theater shooten zu dürfen, hat sich bei mir direkt eine Liebes-Eifersuchts-Geschichte im Hirn gesponnen zu welcher ich mindestens drei weibliche und ein männliches Model gebraucht hätte. Es war mir dann recht schnell klar, dass sich die Models abwechselnd für gewisse Zeitfenster langweilen würden. Und so hab ich einfach befreundete Fotografen gefragt, ob sie Lust auf die Location haben und mitmachen wollen. Dann erst wurden Models ausgesucht und Designer für Kleidung und Schmuck kontaktiert.

Es macht mir auch ungemein Spass sich mit anderen Fotografen auszutauschen oder mal über die Schulter zu gucken. Ich finde es sehr spannend, die unterschiedlichen Arbeitsweisen am Set zu beobachten. Der eine hat seinen kontinuierlichen Autofokus eingeschaltet und befindet sich laufend im Dauerfeuer, während der andere quasi meditativ arbeitet und nur zwei Auslösungen pro Minute nutzt.

In einem anderen Fall hab ich bei einem Kumpel in der Garage, welche von mehreren Leuten genutzt wurde, einen VW Bus (T1-Bulli, Model Camper) von 1972 gesehen. Daraus entstanden ist ein sehr cooles Hippieshooting. Am Ende dieses Shootings ist mir die Hauptplatine von meiner damals nagelneuen Nikon verreckt – und zu allem Überfluss bin ich in einen Brombeerbusch gestolpert, dessen dorniges Gestrüpp sich wie eine Würgeschlage an meiner Wade festgebissen hatte. Die Wade war rot – aber ich war happy, weil das einfach ein geiler Tag mit coolen Mädels und einer noch cooleren Karre  und wunderbaren Bildergebnissen war.

Grischa im T1 Bulli

Neulich an der Tanke hielt auf einmal ein Alfa GT aus den Siebzigern neben mir. Da habe ich den Besitzer direkt angesprochen, ob ich sein Schätzchen mal zum Shooten bekommen kann. Wenn die dann in meinem Instafeed sehen, dass ich kein Stümper bin, sind die Leute auch nicht abgeneigt.

Zuletzt hatte ich die Idee, meine Lieblingsmusik einmal in Bildern umzusetzen. Ein passendes Model hab ich schon. Aber ich habe noch keinen rechten Plan, wie das Set am Ende aussehen soll. Und ich weiß auch noch nicht, ob ich die Stimmung fotografisch rüberbringen kann, die ich beim Hören dieser Musik habe.

SWAN Magazine: Den Punkt würden wir gerne vertiefen.

Grischa Georgiew: Mich reizen Photostories. Also verschiedene Bildgeschichten, wo mehrere Motive zusammen etwas Besonderes ergeben und jeder direkt erkennt, dass sie aus einer Serie sind.

Die Ideen dazu entstehen im Kopf. Ich sehe irgendwo etwas und denke, das könntest du weiterentwickeln. Oder ich sehe eine Location und überlege, welches Model dazu passen könnte.

Manchmal ergibt sich einiges aber auch erst am Set. Ihr kennt ja bestimmt diese Meetups. Sowas besuche ich schonmal. Aber eher zum Netzwerken. Aus einem Meetup hat sich dann z.B. das Theatershooting mit mehreren befreundeten Fotografen ergeben. Der Höhepunkt an dem Shooting war für mich die Nutzung des kompletten Bühnenlichts. Es gibt manchmal so Momente, da passt einfach alles. Und dann kommen da auch einmalige Fotos raus, die ich alleine wahrscheinlich nie so hinbekommen hätte.

SWAN Magazine: Das heisst, Du machst kein Modelsharing, sondern ein Fotografensharing?

Grischa Georgiew: Nun, so würde ich das nicht bezeichnen. Aber wenn vier Fotografen mit vier Models die Kosten für eine teure (und damit selten zu sehende) Location teilen und nicht jeder nur sein eigenes Ding macht, sondern man zusammenarbeitet und gemeinsam Ideen entwickelt, dann entstehen einfach andere Dinge, als wenn man alleine loszieht. Klar, die Chemie zwischen den Leuten muss stimmen. Darum mache ich das am Liebsten mit Fotografen, die ich schon kenne. Wenn davon jeder ein eigenes Model mitbringt, dann kann sich das schon richtig lohnen.

Zitat: Grischa Georgiew

Und dann holt er plötzlich die Nebelmaschine. Und du weißt dann direkt: Jetzt kommt der eine Shot, den du so leicht alleine nie wieder hinbekommst. Da geht mir echt einer ab!

SWAN Magazine: Kommen wir einmal zu Deinen Models.

Grischa Georgiew: Ich schreibe immer wieder Models an – sowohl weiblich als auch männlich – mit denen ich gerne einmal zusammenarbeiten würde. Das ist ein ständiger Prozess. Das mache ich nicht nur kurz vor einem geplanten Shooting, sondern laufend. Oft merke ich dann schon beim ersten Kontakt, ob echtes Interesse an einer Kooperation vorhanden ist oder ob ich nur als „nächster Bilderlieferant“ für den Instagram-Account betrachtet werde.

Ich wundere mich manchmal über Anfragen, wo mich jemand anschreibt, weil er/sie mit mir shooten möchte. Auf die Frage meinerseits, ob wir uns denn die Kosten für die Location und die Visagistin teilen können, bekomme ich schonmal die Antwort, dass dies nicht ginge, da das Model ja vom modeln lebe, dass dies sein/ihr Beruf ist und daher kein Geld für freie Projekte investiert werden könne. Da sag ich nur: Ich muss auch von meinem Beruf leben.

Es gibt aber auch Models – sehr oft Profis übrigens – die wissen, was an Vorbereitung, Zeit und Passion hinter guten Bildern wirklich steckt. Da ist die gegenseitige Wertschätzung der Arbeit des Anderen gross. In solchen Fällen gibt es gar keine Diskussion, ob sich an den Kosten beteiligt wird oder ob man mal eben 400 km fährt.

Unabhängig von irgendwelchen finanziellen Dingen merkt man eben recht schnell, ob jemand bereit ist, von sich aus zu investieren. Zeit, Ideen, Outfits, Kontakte, Leidenschaft usw. … damit am Ende etwas Besonderes entsteht. Und ich finde, nur so kann etwas Besonderes entstehen und sich entwickeln – was letztendlich auch an den Bildern zu sehen ist!

Bei den Models kommt es vor allem auf den Charakter an. Ja, ich höre sie schon lachen, eure Leser. Auf den Charakter kommt es an… 😉 Ich erkläre mal, wie ich das meine: Ich sehe viele Models, die gut aussehen. Und einige haben echt gute Posen drauf. Aber ich suche das Besondere. Ich will nicht machen, was alle machen. Darum ist es mir wichtig, dass wir am Set auch was zu Lachen haben. Mal was Verrücktes machen. Oder uns auch mal foppen. Die Models dürfen bei mir den Job nicht bierernst nehmen. Ich mag es nicht, wenn sie ihr Standardprogramm abspulen. Für mich ist die Fotografie Hobby und es macht mir ungemein Spaß, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Aber dazu muss die Chemie stimmen.

SWAN Magazine: Klappt das mit allen Models?

Grischa Georgiew: Meistens ja. Die Art der Menschen, ihre Denk- und Verhaltensweisen erkennt man ja schon oft daran, wie sie mit Dir kommunizieren. Manche schreiben nur über Messenger. Andere schicken dir zig Sprachnachrichten, wo man am Ende alles nochmal anhören muss um eine kleine, aber wichtige Info wiederzufinden. Und wieder andere greifen direkt zum Telefonhörer ohne endlos Nachrichten zu schreiben.

Ich persönlich bevorzuge ja den direkten Kontakt … oldschool halt! Und wenn ein Model bei einer ersten Kontaktaufnahme gleich mit Vertragskonditionen und Regelungen zur Bildnutzung oder Veröffentlichungsrechten um die Ecke biegt, dann ist bei mir die Euphorie direkt erloschen. Vielleicht ist es ein Vorurteil, aber das fängt schon so kompliziert an, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Shooting mit solchen Modellen dann eine entspannte Veranstaltung wird.

Ein richtiger Vertrag ist natürlich ein Muss, aber das Erste was mich interessieren würde -als Model- ist doch, welche Idee der Fotograf mit mir umsetzen möchte.

Ein anderer Grund , warum es nicht mit jedem Model klappt, ist schlichtweg die Zuverlässigkeit. Aufgrund meines begrenzten Budgets, welches ich eher in Locations oder Studios investiere, zahle ich meinen Models keine Gage. Hier und da beteilige ich mich mal an Fahrtkosten, wenn diese signifikant sind. Die Qualität, der Stil und die Settings meiner Arbeiten muss als Währung reichen, um ein Model von einer Kooperation zu überzeugen. Viele glauben, dass (wenn ich keine Gage zahle) mich das Shooting nichts kostet – aber weit gefehlt. Je nach Art, Location und Vorbereitungsaufwand investiere ich zwischen 100 und 400 Euro in jedes Shooting – plus meinen Zeitaufwand für die Vor- und Nachbereitung. Das Budget dafür kommt durch gelegentliche Aufträge oder Bildverkäufe über Stockagenturen zusammen, sodass ich die Familienkasse weitestgehend verschone.

Aber es kommt leider immer wieder vor, dass Models (obwohl ein Shooting lange im Vorhinein abgestimmt ist) dann sehr kurzfristig (manchmal sogar am Tag selbst) absagen, weil ihnen angeblich etwas dazwischengekommen ist. Ich ärgere mich darüber, mache aber schnell einen Haken daran.

Bisher haben sich immer Alternativen gefunden – und erstaunlicherweise wirklich Gute. Neulich ist aus einer Absage überhaupt erst ein richtiges Fashion Shooting entstanden, da ich gezwungen war, jemanden mit coolen Klamotten passend zur Location zu finden, die sonst das Model mitgebracht hätte.

Der gefundenen Designerin aus München samt ihrer Assistentin war der Weg nach Köln nicht zu weit, um das Projekt mit ihren Outfits zu pushen. Schliesslich hat sie ihre Kreationen zwei Wochen später auf der New Yorker Fashion Week präsentiert.

Am Ende wurde so aus dem ursprünglichen Plan (vier Stunden Shooting mit einem Model) dann ein Ganztages-Event an zwei Locations mit insgesamt acht Beteiligten. Und mehr noch: Wir haben dann gleich ein Anschlussshooting in München geplant. Da freu ich mich jetzt schon sehr drauf.

Wenn man wirklich will, kann man nämlich aus allem was machen – auch aus Absagen… Aber bisher verliefen alle grösseren Projekte in der Planungsphase nervenaufreibend und zeitintensiv und sind dann doch stets super gelaufen.

SWAN Magazine: Musik und Fotografie. Gehört das für Dich zusammen?

Grischa Georgiew: Absolut. Musik habe ich zwar nicht immer an, aber ich möchte das gerne intensivieren. Ich habe mir jetzt so eine Bluetooth-Box gekauft, damit ich am Set auch Musik anmachen kann. Zuletzt war ich auf einem grandiosen Rittergut zum Fotografieren. Ein riesiges Anwesen mit ganz tollen Accessoires. Alte Zirkuswägen, kleine Holzterrasse und so. Die Location war prädestiniert für einen Country Look. Da hatte ich meine Bluetooth-Box aber noch nicht. Sonst hätte ich direkt Neill Young angemacht…

Für die Zukunft – das ist der Vorteil, wenn man nicht so oft shootet- möchte ich für jedes Shooting eine in meinen Augen passende Playlist erstellen und diese dann abspielen. Ich weiß, dass Musik jedes Shooting auflockert. Und genau diesen lockeren Style mag ich ja so sehr.

Beim morgendlichen Singen im Auto auf dem Weg zur Arbeit kommen mir manches Mal auch bestimmte Szenen in den Kopf. Entweder bekannte Motive oder aber Bildideen, die sich erst noch zu einer Story zusammensetzen, bis der Song zuende ist. Manchmal ergeben sich auch aus einem einzigen Song ganze Photostories.

SWAN Magazine: Wir haben uns Deine Kunstwerke auf Deiner Website, Facebook, Instagram angeschaut. Haare haben aus unserer Sicht eine besondere Bedeutung für Dich. Stimmt das? Und wenn ja, warum? Weil Du so Wenige besitzt?

Grischa Georgiew: Lacht schallend laut. Nein, mit meiner Haarpracht hat das eigentlich nichts zu tun. Ich würde sogar sagen, dass dies die Models schuld sind. – Sie fummeln permanent an den Haaren rum, zupfen hier und richten da. Ich sage dann ganz oft „lass doch mal die Haare in Ruhe“… und wenn der Wind dann auch einen Beitrag liefert, dann entstehen solche Bilder. Mir ist es wichtig, nicht laufend Hochglanzfotos zu liefern, die auf einer Illustrierten abgedruckt werden könnten. Ich will das Besondere. Und das muss man auch zulassen. Da müssen Models bei mir schon manchmal über ihren eigenen Schatten springen.

SWAN Magazine: Wir haben eingangs (Anmerkung: Im Interview, welches in Ausgabe 02 abgedruckt ist) über Dunkelkammer, 8-Spur-Aufnahmegeräte, aber auch über die Topkamera eines japanischen Herstellers gesprochen. Welche Bedeutung hat Technik für Dich in der Fotografie?

Grischa Georgiew: Technik interessiert mich nicht. Sie ist nur ein Werkzeug. Klar, dieses Werkzeug muss funktionieren. Wichtiger aber ist, dass der Fotograf dieses Werkzeug beherrscht und es in unterschiedlichen Situationen optimal einstellt, damit das rauskommt, was er beabsichtigt. Am Ende zählt nur das Bild. – Das wird am besten deutlich, wenn man sich in die Rolle des Models oder einer Modelagentur versetzt: Die Kamera oder das Objektiv interessiert da keinen. Der Ausdruck des Models ist der Dreh- und Angelpunkt. Und technisch sauber umgesetzt sein müssen die Fotos natürlich auch. Aber das ist Grundvoraussetzung, kein Unterscheidungsmerkmal.

SWAN Magazine: Manche Deiner Fotos zeigen ungewöhnliche Orte. Mal sind es vermutlich teure Luxus-Locations, mal eine staubige Sandgrube. Wie kommst Du auf diesen Mix?

Grischa Georgiew: Man kann viel mehr aus Locations machen, als man denkt. Zufälle und Empfehlungen bringen mich an besondere Orte. Ich mag Retro und Vintage Look, mag italienischen Style. Und die 70er…

Eine gewisse Eleganz, etwas Coolness und eine Prise Lässigkeit sind mir wichtig. Das geht an vielen Orten. Gerade in Städten mit historischen Hintergrund funktioniert das sehr gut.

SWAN Magazine: Du hast berichtet, für ein Foto extra in die Toscana gefahren zu sein, um ein Bild zu schießen, zu dem Dir die Idee während des Films Gladiator kam. Da hast du extra nachgeforscht, wo Du besagte Stelle finden konntest.

Grischa Georgiew: Ja, das stimmt. Ich fand den cineastischen Look der Szene passend zu meinem Bildstil. Und so habe ich im Internet gegoogelt, um den einsamen Weg mit den Zypressen zu finden. War natürlich ein Privatweg, wie Viele in Italien, die zu Weingütern oder Gutshäusern führen. Aber mein Bild habe ich gemacht. – Trotzdem muss ich sagen, dass mich Filme nur selten inspiriert haben.

SWAN Magazine: Wenn Du ein Model angeschrieben hast, wie geht es dann weiter?

Grischa Georgiew: Ich schreibe Modelle, die mich interessieren ja einfach so via Social Media an. Ohne konkrete Shootingidee. Dann habe ich eine Wishlist, wo ich diejenigen Modelle notiere, die fotografisch spannend sind und in meinem Style auf meine Anfrage reagiert haben. Dann gucke ich, wo die Modelle wohnen und priorisiere unter Berücksichtigung meines Wohnortes und mir bereits bekannter zukünftiger Reisen.

Aber zwischenzeitlich frage ich immer zwei Modelle an. Die Ausfallquote ist mir in den letzten Jahren zu hoch geworden, als das ich weiter teure Locations für nichts bezahlen wollen würde. Das führt dann manchmal auch dazu, dass ich zwei Modelle am Start habe. Aber das ist kein Problem. Für mich wird es zwar stressig, weil ich dann am Set quasi keine Pause habe, aber die Modelle wollen zwischendurch eh mal eine Pause machen. Das kann ich also gut takten, die Modelle können ungestört Kleidung oder Accessoires wechseln.

SWAN Magazine: Was macht für Dich ein Profimodel aus?

Grischa Georgiew: Oh, das ist schwer zu beschreiben. Erstmal ist es für mich egal, ob TFP oder Pay. Profi oder Nicht-Profi wird nicht durch Geld definiert. Ich habe schon mit Pay-Models zusammengearbeitet, wo es das Geld nicht wert war. Und ich habe mit TFP-Models zusammengearbeitet, dass ich bereit gewesen wäre, richtig tief in die Tasche zu greifen, um sie zu bekommen.

Ein Profimodel muss zuverlässig (Termineinhaltung und Pünktlichkeit) sein, aber vor allem verwandlungsfähig und charaktervoll. Ich arbeite gerne mit Models, die sich in mehrere Gefühlslagen hineinversetzen können und so unterschiedliche Rollen einnehmen. Das macht es für mich als Fotograf sehr einfach. Luzie (das Model, dessen Fotoserie ich in der gedruckten Version des SWAN Magazines gezeigt habe) ist so ein Model. Ihr gibst du zwei unterschiedliche Klamottenstyles und sie schlüpft in zwei unterschiedliche Rollen. Und zwar komplett. Bei ihr ändern sich dann Mimik und Gestik, sogar die Bewegungsabläufe können von sehr harmonisch und rund allein durch den Klamottenwechsel und die andere Szenerie hin zu kantig und eckig wechseln. Das ist für mich wichtig, wenn ich einmal einen sehr emotional sexy Style abbilden möchte und einmal die Rockerbraut auf dem Motorrad.

SWAN Magazine: Wir wollen im SWAN Magazine ganz bewusst keinen Fokus auf die Technik legen. Wenn Du aber die Kombo aus Kamera und Objektiv, die Du am häufigsten benutzt, mit Worten beschreiben solltest, wie würdest Du das tun, ohne eine Marke oder eine Typbezeichnung zu benennen?

Grischa Georgiew: Die Kamera ist für mich der Schraubenschlüssel, mit dem ich die Radmutter anziehe. Sie ist reines Werkzeug. Ich habe kein Markenfaible. Sie ist austauschbar. Sie muss den Job machen, den ich von ihr verlange. Vieles, über das viele Fotografen viel reden, ist für mich völlig irrelevant. Ich weiß genau, mit welcher Linse ich was machen kann. Und nur das ist wichtig. Anders ausgedrückt: Der richtige Werkzeugeinsatz ist der Erfolgsschlüssel.

SWAN Magazine: Wie lange bereitest Du durchschnittlich ein Shooting vor? Und wie lange dauert dann das Shooting selbst?

Grischa Georgiew: Das hängt vom Konzept ab. Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Manchmal, wenn ich cooles Team habe, investiere ich viel – vor allem Zeit. Aber letztendlich frage ich mich immer, ob es den Aufwand wert ist. Meine Frage ist immer, ob man auch mit weniger Aufwand gute Bilder machen kann.

Manchmal sitze ich im Wohnzimmer und stelle mir die Frage, ob der ganze Aufwand eigentlich nötig ist? Dann möchte ich am liebsten ein Model aus der Umgebung anrufen und sofort loslegen. Ohne lange Locationsuche und ohne Visa. Das gelingt mir nur selten. Irgendwie bedarf es immer einer gewissen Vorbereitung. Gerade wenn man etwas Besonderes schaffen möchte. Aber ich mache halt auch keine Streetphotography…

SWAN Magazine: Indoor oder outdoor? Was bevorzugst Du und warum?

Grischa Georgiew: Indoor. Da ich so selten fotografiere, arbeite ich eigentlich nie ohne eine Indoor-Location. Oft kommt es dann vor, dass wir diese gar nicht betreten und doch draußen Fotos machen. Aber ich möchte an den wenigen Shootingtagen, die ich habe, einfach wetterunabhängiger sein. Aber klaro, dass heisst nicht, dass ich nicht auch einmal in der prallen Sonne fotografiere. Ganz im Gegenteil. Ich arbeite gerne mit harten Lichtkontrasten. So schmeichelnd weiches Licht auch erscheint… 

SWAN Magazine: Viele Fotografen setzen regelmäßig auf den „goldenen Schnitt“. Bei Dir dominiert die „goldene Mitte“. Ein Ergebnis von Instagram?

Grischa Georgiew: Echt? Für mich muss ein Bild in der Gesamtheit einen Sinn ergeben. Fotoregeln interessieren mich nicht. – Aber danke für diesen Hinweis.

SWAN Magazine: Setzt Du bei jedem Shooting eine Visagistin ein? – Wenn nein, wann nutzt Du eine solche Unterstützung und wann nicht?

Grischa Georgiew: Nein, ich frage die Damen immer vorher. Manche Models wollen das auch nicht. Manche Visas kenne ich auch oder die Models bringen selbst welche mit.

SWAN Magazine: Angenommen, Du kommst zu Deinem Auto und unter dem Scheibenwischer steckt ein Briefumschlag. Darin befinden sich 5.000 EUR. Aber kein einziger Hinweis auf den edlen Spender. Was tust Du mit dem Geld?

Grischa Georgiew: Ich würde mir überlegen, welches nächste größere Photoproject ich damit umsetzen könnte. – Lieber investiere ich das Geld in Menschen, mit denen ich eine schöne Zeit mit guten Bildern umwandeln kann, als mir eine neue Kamera zu kaufen.

Du möchtest mehr von Grischa sehen oder lesen?

Neben seinen Social Media Kanälen können wir Dir vor allem die Ausgabe 02 des SWAN Magazines ans Herz legen. Hier zeigt Grischa eine fabelhafte Serie mit Luzie. Jede Menge Inspiration…. besonders für Fotografen, die sehr häufig einen engen Beschnitt einsetzen. Und gedruckt sind solche Kunstwerke noch einmal etwas ganz anderes. Versprochen!

Last but not least

Grischa ist nicht nur menschlich ein klasse Kamerad. Ein Mensch, mit dem man Autos stehlen könnte. Das Interview mit ihm hat sehr viel Freude bereitet!

Im Nachgang haben wir Grischa noch einmal bei einem Meetup getroffen. Da hatte er zwei Fotobücher dabei, die er selbst entworfen hat. Sein Fotojahrbuch 2017 und sein Fotojahrbuch 2018. Wer je die Gelegenheit bekommt, in diese beiden Jahrbücher hineinzuschauen, der möge Zeit mitbringen. Viel Zeit! Beide Bücher sind Inspiration pur.

Und damit sind sie -wie das SWAN Magazine auch- genau das Richtige, um abends vor dem Kamin einen leckeren Rotwein zu genießen… oder draußen auf der Terrasse… mit Zigarre…

Zitat: Eugene Ionesco

Wir glauben, Erfahrungen zu machen. Aber die Erfahrungen machen uns!

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