Dennis‘ Werkschau

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Plötzlich und unverhofft taucht es auf. Ein neues Fotoheft im Facebook-Stream. Der Autor? Dennis Süßmuth. Eine Monographie? Nein. Ein dickes Fotobuch? Ebenfalls nein. Dennis nennt es „Werkschau“.

Da müssen wir doch glatt mal über den Tellerrand hinausschauen! Aber fangen wir von vorne an. Wer sich in NRW in der Fotografenszene tummelt, der wird über kurz oder lang auch über Dennis stolpern. Hier ein Meetup, dort ein Workshop, woanders eine Buchpräsentation oder einfach ein Fotografenstammtisch.

Liest sich, als würde da einer die große Bühne suchen. Doch dem ist nicht so. Dennis ist eher der zuverlässige Fotograf, der Zurückhaltung schätzt und gerade nicht in der ersten Reihe stehen muss. Und dennoch: Wo er ist, ist vorne!

Das zeigt sich auch in seinem ersten Fotoheft, dem er schlicht und einfach keinen Namen gegeben hat. Nichts steht drauf, auf dem Titel. Nur ein Bild, das neugierig macht auf den Inhalt. Und wer es aufschlägt, der ist gleich mittendrin! Es gibt nämlich kein Vorwort, keine Widmung oder gar ein Inhaltsverzeichnis. Nein, Dennis geht volley auf’s Ganze! Gleich auf der ersten Doppelseite ein Mix aus Farbe und schwarzweiss.

Dort, wo üblicherweise das Inhaltsverzeichnis steht, steht jetzt formatfüllend Laura. Laura ist Teil einer Fotostory in der ersten Ausgabe des SWAN Magazines – und so freut es uns sehr, sie hier wiederzufinden. Mit Hut und Mantel, fesselndem Blick und leicht geöffnetem Mund steht sie da, als wolle sie sagen: „Inhaltsverzeichnis? Ich bin hier das Inhaltsverzeichnis!“

Natürlich zeigt Dennis hier nicht nur Laura. Im Gegenteil. Gleich nach dem Inhaltsverzeichnis ist nämlich auch schon wieder Schluß mit Laura. Nun folgen Portraits verschiedener Models. Und ganz wichtig: Alle sind freie Arbeiten von Dennis. Also keine Workshopfotos, die 15 andere Fotografen in beinahe ähnlicher Anmutung auch in ihrem Portfolio haben. Das macht Dennis‘ Werkschau zu etwas Besonderem.

Er spielt mit Farbe und schwarzweiss, er arbeitet mit der Unschärfe lichtstarker Objektive und hebt die Augen seiner Modelle hervor. Hier und da gibt es eine Prise Unschärfe, etwas Rauschen (was herrlich zu seinen schwarzweissen Aufnahmen passt) und auch ungewöhnliche An- bzw. Ausschnitte.

Dennis spielt mit den Regeln der Fotografie, als wolle er sagen: „Komm‘, das kannst du auch!“

Und wahrscheinlich ist es das auch, was ihn motiviert hat, mal etwas Besonderes umzusetzen und seine Fotokunstwerke nicht auf Facebook und Instagram zu „verballern“. Dazu schreibt er dann -ganz am Ende- (etwas unorthodox also) zwei Seiten. Ein Text, der zum Nachdenken anregt. Der viele der Auffassungen des SWAN Magazines teilt. Vor allem der Satz „In dieser digitalen Welt, in der alles an Kunst irgendwie in den Social Media Kanälen verschwindet, ist das gedruckte Bild, was man tatsächlich in den Händen hält, unglaublich wichtig geworden.“

Wie kommt man nun an das Fotoheft von Dennis? Ganz einfach: Dennis anschreiben. Er antwortet schnell und unkompliziert und liefert zügig. In unserem Fall sind wir gestern auf sein Fotoheft aufmerksam geworden, haben kurz per Facebook Messenger kommuniziert, per Paypal überwiesen und heute war das Heft schon da. So soll es sein. Denn: Schneller geht’s nicht!

Kurz zu den Kosten: Dennis nimmt für sein Heft 6,50 EUR. Für eine Kleinauflage wie diese, die komplett auf Werbung verzichtet (also eigenfinanziert ist), ist dies ein extrem günstiger Preis. Denn das Porto ist in diesem Preis auch schon enthalten.

Unser Tipp daher: Jeder, der schon Fotobücher großer Künstler gekauft hat, aber den Sprung Richtung Magazin noch nicht gewagt hat, der sollte bei Dennis zugreifen. Der Vorrat ist (wie wir aus erster Quelle erfahren konnten) extrem limitiert – also heisst es schnell sein. Warum? Diese kleinen Hefte, die ohne große Verlage auskommen, bieten machmal mehr Inspiration, als das, was es in jedem Kiosk für den gleichen Preis (oder teurer) zu kaufen gibt.

Dennis berichtet auf seiner Facebook-Fanpage, dass seine Kunstwerke mit unterschiedlichen Kameraarten entstanden sind. Das zeigt, wie vielfältig Dennis ist und wie intensiv er sich mit der Fotografie beschäftigt. Davor ziehen wir unseren Hut. Denn analoges Kleinbild, Mittelformat, Polaroid und Digitales vereinen nur wenige Fotografen in einer Person.

Fazit: Limitierte Kleinserien sind stets etwas Besonderes. Dennis geht genau in diese Nische hinein, bietet zum Selbstkostenpreis einen Einblick in seine Peoplefotografie und liefert auf 24 Seiten abwechslungsreiche und inspirierende Fotografie.

Kritik? Kritik ist in diesem Fall nicht angebracht! Warum? Dennis ist einer der wenigen Fotografen, die den Weg zu Print und zum Eigenvertrieb gegangen sind. Alleine davor sollte man Respekt zollen. Denn statt in dieses Heft zu investieren, hätte auch Dennis auch Objektive oder anderes Fotografenzeugs kaufen können. – Er hat in seine fotografische Zukunft investiert. Und das unterstützen wir gerne!

Dennis: Wir freuen uns auf deine Ausgabe 02. Der Ausverkauf deiner Kleinauflage wird dir beweisen, dass das Risiko da ist, aber dass es tragbar ist. Und du wirst sehen: In 10 Jahren zieht irgendwer dieses kleine Fotoheft aus der Tasche und hält es dir vor die Nase. Dann sind deine Bilder immer noch aktuell. Die ganzen anderen Social-Media-Fotos sind dann längst vergessen!

Lang lebe Print!

 

Zitat: Dennis Süßmuth

Die Herausforderung bei diesem Heft war es tatsächlich, die Idee nicht wieder als Schnapsidee zu verwerfen, sondern es diesmal wirklich zu tun.

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