Photokina im Wandel

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Die Leitmesse der Imaging Branche letztmalig im Herbst und letztmalig nur alle zwei Jahre.

Die Macher der Photokina haben entschieden. Die Leitmesse nur alle zwei Jahre ist nun vorbei. Im September 2018 (genauer gesagt vom 26. bis 29. September) findet die Photokina letztmalig im bekannten Format statt.

Im Frühsommer 2019 geht es dann weiter mit einem neuen Konzept. Statt Herbst dann Frühling. Und statt alle zwei Jahre, dann jährlich.

Hat die Fotobranche so viel Neues zu bieten? Sind die Innovationszyklen so schnell geworden? Stehen uns Meilensteine in der Fotografie bevor, die wir aktuell nur noch nicht sehen?

Man kann darüber trefflich streiten. Fakt ist: Alle zwei Jahre hat die Photokina (und das damit verbundene Neuheitenfeuerwerk der Fotoindustrie) der Photobranche ein hervorragendes Weihnachtsgeschäft zelebriert. In dem „Dazwischenjahr“ waren Spielekonsolen und Fernseher zuletzt mehr gefragt.

IFA, Buchmesse & Co

Messen, wie die IFA oder die Buchmesse finden jährlich statt. Keynotes von Apple sogar noch häufiger. Und selbst, wenn es nicht jedes Mal „one more thing“ geben kann, scheint sich die Stetigkeit durchzusetzen. Wird es also die IAA künftig auch nicht mehr alle zwei Jahre geben, sondern jährlich? – Egal. Wichtiger ist eigentlich, was die Veränderung für den Verbraucher bringt.

Nun, Firmen, die nicht vor Innovation strotzen und nicht jedes Jahr ein Feuerwerk an neuen Produkten platzieren können oder wollen, werden künftig wahrscheinlich überlegen. Wollen sie wirklich jedes Jahr auf die Photokina gehen, um dort neben den Standmieten hohe interne Kosten (für Reise und Unterbringung der Mitarbeiter und die gesamte Vorbereitung) und hohe Marketingbudgets (für Streumaterial, Werbegeschenke, flankierende Maßnahmen, etc.) investieren. Es könnte also sein, dass die durchschnittliche Anzahl an Ausstellern abnimmt und die Messe heimeliger wird. – Für den Messebesucher könnte das sogar praktisch sein. Weniger Kilometer zu Fuß, weniger Stress und doch die Möglichkeit, alles an einem Tag sehen zu können.

Oder die Veranstalter haben früh erkannt, dass sich die Bedürfnisse der Messebesucher eh verändern und es daher nicht lohnt, am traditionellen Konzept für alle Ewigkeiten festzuhalten.

Der Blick in die digitalen Medien zeigt ein wenig den Trend auf: In der Fotoszene sind „Rumours-Websites“ besonders vor den Messetagen besonders gestürmt. Zunehmend häufiger werden neue Produkte geleakt, bevor sie vom Unternehmen offiziell vorgestellt werden. Die Messebesucher bekommen auf der Messe daher gar nicht mehr präsentiert, was sie vorher nirgends anders sehen konnten, sondern profitieren hier davon, die neuen Produkte live ausprobieren zu können und können auch vorher entscheiden, welcher Messestand für sie wichtig ist und welcher nicht.

Veränderung

Doch die Messe ändert sich eh seit vielen Jahren. Wo früher ein Messestand in Hochglanzlicht nebeneinander war, da sind heute zwischen den Ständen Nischen aufgebaut, in denen die Ambassadors der großen Marken Shootings durchführen. Die Besucher lernen auf der Messe, können selber fotografieren und Besucher, die vor zwei Jahren noch ohne Kamera auf die Photokina kamen, werden dieses Jahr sicher nicht ohne Kamera im Gepäck anreisen. Die Chance ein cooles Bild zu ergattern, eine besondere Kulisse zu fotografieren oder einen Top-Fotografen persönlich zu treffen ist heute höher, als auf der Messe in Produkt zu entdecken, dass man vorher nicht im Web hätte finden können.

Weitere Hinweise für den Veränderungsdruck des Messekonzepts (gilt übrigens nicht nur für die Photokina) zeigen sich schon seit Jahren. Schon mehr als 10 Jahre geht es nun so, dass rund um die Photokina (in Fotoclubs, Studios, in der Stadt, in Bars, in exklusiv gebuchten Locations) die eigentlichen Highlights fern ab der Messe stattfinden. Fernab des Messetrubels finden hinter geschlossenen Kulissen kleine aber feine Events statt, wo Gleichgesinnte lernen, den Austausch pflegen und weit gemütlicher als es jedwede Messehalle der Welt auch nur bieten kann, mit Menschen in Kontakt kommt, die gleiche Interessen pflegen.

Hier kommt auch die Kritik her, die dem neuen Photokina-Konzept wirklich gebührt: Die Umstellung auf den jährlichen Rhythmus hat Vor- und Nachteile. Aber die Wahl des Monats Mai als neuen Messetermin ist schlichtweg frech. In allen Regionen der Republik (und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus) ist der Monat Mai derjenige, in dem zahlreiche Fotoclubs aus dem Winterschlaf erwachen, teilweise stark gewachsene Events (z.B. Fotofestival Zingst) seit Jahren stattfinden und sich stetig wachsender Beliebtheit erfreuen. Auch auf solchen Veranstaltungen sind die großen Player der Branche längst mit ihren Ständen und Produkten vertreten und bieten -konzeptbedingt viel einfacher- die Möglichkeit, Objektive zum Testen zu verleihen, Sensorreinigungen durchzuführen, neue Produkte vorzustellen und vieles mehr.

Doch wie harmoniert das? Aus Sicht des SWAN Magazines leider nicht. Ein Hersteller, der den direkten Kundenkontakt zu den Kunden auf Fotofestivals schätzt, wird vermutlich keinen zweiten Messestand anschaffen und zur gleichen Zeit an anderem Ort betreiben wollen. Es ist ja nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch eine Frage, welches Fachpersonal im Vertrieb zur Verfügung steht.

Wir denken daher, dass die Qualität des neuen Photokina-Messekonzepts erst einmal für 2-3 Jahre leiden wird, bevor es aus eigenem Antrieb die Kraft dazu entwickelt, wieder neu zu wachsen – in dem es sich selbst neu erfindet.

Doch die Veränderung ist keine Schande. Sie ist nicht selten Antrieb für die Entwicklung von Neuem. Das SWAN Magazine wäre nicht entstanden, wenn die Fachmagazine zum Thema Fotografie alle so unterschiedlich wären. Die Einheitlichkeit der anderen war hier der Antrieb für die Veränderung. Und so wird es auch Fotoevents diverser Art gehen. Tod ist die Chance für einen Neuanfang und keine Schande – ganz im Gegenteil. Tod ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens und damit die Basis für Innovation. Und die braucht die Fotobranche, wie jede andere Branche auch.

Doch: Was viele vergessen, ist die Tatsache, dass die Messe von neuen Produkten und ihren Besuchern/Käufern lebt. Die Fotografie selbst lebt nicht von Kameras, sondern von Fotografien, die über Generationen hinweg einen Wert haben.

Der World Press Photo Award zeigt dies Jahr für Jahr eindrucksvoll. Jeder Mensch, der sich nur einen Hauch für Fotografie interessiert, kennt das Pressefoto des Jahres 2013: Erwachsene Männer drängen sich durch enge Häuserschluchten, klagen und weinen. Sie tragen die Leichname von drei Kindern, eingehüllt in weißen Tüchern, durch die Gassen des Gazastreifens zu Grabe. Hinterhältig ermordet von einem Raketenangriff. Ein Foto, das um die Welt ging. – Und bei dem es nur Wenige interessiert hat, wer der Kamerahersteller war, mit dessen Kamera oder Objektiv dieses Foto geschossen wurde.

Oder Ebbets Charles „Lunchtime Skyskraper New York“ bei dem 11 Bauarbeiter hoch über Manhatten auf einem Stahlträger ihre Mittagspause abhalten, essen und Zeitung lesen. Jeder kennt dieses Bild, kaum einer kennt den Fotografen und niemand kann ohne Recherche etwas über die Technik verraten, die für dieses Foto eingesetzt wurde.

 

Zitat: David Burnett

 

Zufriedenheit entsteht, wenn Du zusammen mit 500 anderen Fotografen am gleichen Set arbeitest und trotzdem etwas Anderes vorzuweisen kannst.

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