Das Salz der Erde

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Wir nehmen die Ehrung des Fotografen Sebastião Salgado mit dem Friedenspreis zum Anlass, über den Film „Das Salz der Erde“ zu berichten. Das Salz der Erde ist ein Film über das Leben von Sebastião Salgado. Dieser Film passt daher ideal zu dem ihm erst vor wenigen Tagen verliehenen Friedenspreis. Denn er portraitiert einen Mann, der diesen Preis nicht wegen einzigartiger Leistungen an einem Tag erhalten hat, sondern Zeit seines Lebens für den Menschen, die Völkerverständigung und die Natur gekämpft hat. Leise hat er gekämpft, aber mit eindrucksvollen Bildern.

Eine Dokumentation über das Leben eines Ausnahmefotografen

Das Salz der Erde ist eine Dokumentation. Eine Erzählung zwischen den beiden Sprechern Wim Wenders (spricht englisch, Untertitel: Deutsch) und Sebastião Salgado (spricht französisch, Untertitel: Deutsch). Der Sprachenwechsel macht es etwas schwierig, der Dokumentation entspannt zu folgen. Einfacher ist es natürlich für jeden, der mindestens eine der beiden Sprachen spricht.

Zwei weitere Sprecher sind Sebastião’s Vater (der den gleichen Namen trägt, wie der Preisträger selbst) und sein Sohn Juliano Ribeiro Salgado, der seinen Vater aufgrund seiner dauernden Reisen eigentlich erst richtig kennenlernt, als er ihn mit der Filmkamera selbst begleitet, portraitiert, beobachtet und bei jeder Gelegenheit ausfragt.

Fotos, die jeden Betrachter in ihren Bann ziehen

Der Film zeigt atemberaubende Bilder. So viele, dass man aus dem Blickwinkel eines Fotografen immer wieder gewillt ist, den Film kurz anzuhalten, um dem einzelnen Motiv Raum geben zu können, für seine Entfaltung.

Sebastião Salgado spricht in dem Film, wie man sich die Stimme eines Friedenspreisträgers vorstellt: Langsam und überlegt. Kurze Sätze dominieren die Geschichten zu seinen Fotos. Doch eben diese Sätze haben es in sich. Sie sind nicht einfach runtergesprochen, sondern machen transparent, dass Sebastião stets den Kontakt zu den Menschen gesucht hat. Er erzählt nicht, was er beobachtet hat, sondern er berichtet, was ihm diejenigen erzählt haben, die er portraitiert.

Er ist kein Prediger, hat aber dennoch Vieles mitzuteilen

So wird er zum Botschafter. Botschafter für Menschen ohne Zukunft. Für Menschen auf der Flucht. Für Menschen ohne regelmäßiges Essen. Und er prangert das sinnlose Sterben unserer Spezies an, ohne darüber ein Wort zu verlieren. Er klagt nicht an, sondern regt zum Nachdenken an. Er zeigt nur die Realität. Und seine Aufnahmen in schwarz-weiss unterstützen die Wirkung, die sie beim Betrachter hinterlassen.

Treibende Kraft hinter seinen Projekten: Seine Frau. Die Jugendliebe.

Seine Frau ist es, die seine Fotos zu Büchern zusammenführt und so eine internationale Aufmerksamkeit gewinnt. Sein Mitgefühl für die Menschen führt dazu, dass er sich stets tief in die Herausforderungen unterschiedlicher Völker hineinversetzt. Und genau das führt zu sehr authentischen Fotokunstwerken, die sich einbrennen in die eigenen Erinnerungen, wie nur wenige andere.

Storytelling in jedem einzelnen Bild

Jedes Bild zeigt eine Geschichte. Mal sind es flammende Ölfelder im Hintergrund, mal die Dürre der Sahel-Zone. Stets gelingt es ihm, den Menschen in den Fokus zu nehmen, aber dabei das Umfeld zu zeigen, in denen diese Menschen leben.

Projekte treiben ihn an. Mit Ehrfurcht begegnet er Mensch, Tier und Natur.

Auffällig ist: Auch Sebastião lebt, denkt und handelt in Projekten. Wenn er etwas zeigen möchte, dann arbeitet er unentwegt daran und macht selbst vor Leid und Elend, dem Tod und auch für ihn lebensgefährlichen Situationen nicht halt. Er geht mitten hinein in das, was wir selbst aus den Nachrichten kennen. Aber seine Bilder sind intensiver. Sie zeigen nicht die kriegerischen Explosionen in Metropolen, sondern die Beseitigung von Leichen mit einem Radlader irgendwo in Ruanda. Fernab von jeder Stadt.

Beeindruckend ist, dass Sebastião immer wieder an die Orte seiner Arbeit zurückkehrt. Es wirkt auf den Betrachter ein wenig so, als treibe die Neugierde ihn stets an. Doch hier und da scheint zwischen den Zeilen auch das Bedürfnis zu stehen, dass auch schlimme Phasen zeitlich begrenzt sind und sich oft bereits nach wenigen Jahren bereits ein etwas anderes Bild zeigt. Ein Bild des Aufbruchs. Auch das zeigt er.

Seine Handschrift ist schwarz-weiss – einfach zeitlos

Viele Motive wirken dabei, als würden sie aus dem zweiten Weltkrieg stammen – doch viele sind keine 25 Jahre alt. Diese Zeitlosigkeit seiner Aufnahmen macht transparent, dass es Kriege zu jeder Zeit gibt. Doch es macht vor allem deutlich, welch humane Tragödien Kriege und Vertreibung, Hungersnöte und Verfolgung auslösen. Sebastião hat in Ruanda ins Herz der Finsternis geblickt. In einem Land, das aufgrund seiner Lage und des Klimas, der Fruchtbarkeit des Bodens und der eher milden Temperatur eher auf der Sonnenseite Afrikas liegen sollte.

Immer wieder kehrt er in seine Heimat Brasilien zurück

Doch er kehrt zurück in seine Heimat Brasilien. Und er kehrt auf den Hof zurück, auf dem er zusammen mit seinen sieben Schwestern gross geworden war. Das kleine Tal, das er als Kind in saftigem Grün kennengelernt hatte, war zur Steppe geworden. Bäume? Fehlanzeige. Vögel? Alle weg!

Und wieder war es seine Frau, die auf die Idee kam, einfach wieder Bäume zu pflanzen. Denn die Steppe war entstanden, weil der Wald abgeholzt wurde und so das Land der Sonne geopfert wurde. Natürlich waren die ersten Bäume einer Herausforderung ausgesetzt: Keine anderen Bäume, also kein Schatten. Gleißende Sonne, also kein Wasser. Doch die Stetigkeit der Arbeit, der Mut, niemals aufzugeben, führte langsam aber sicher zu Erfolgen. Die Bäume wuchsen, die Fehlinvestitionen (durch schnell absterbende Setzlinge) wurden laufend geringer und immer mehr Tiere kamen zurück. Zuerst die Insekten, dann die Vögel… und es wurde wieder grün. Grün wurde es nicht nur rund um Sebastião’s Elternhaus, sondern in der gesamten Region. Auch Bäche rauschen jetzt wieder.

Er hat die Kraft erkannt, die Fotos haben können. Dies nutzt er. Für unseren Planeten.

Und statt ein neues Projekt zu starten, in dem er die Zerstörung der Erde anprangert, entschied sich Sebastião zum Gegenteil: Von 2004 bis 2013 schuf er Genesis. Eine Hommage an die Erde. Und die aktuelle Nummer 1 unter den Landschaftsfotografie-Büchern. Denn wie er feststellte, befindet sich noch ein großer Teil der Erde in seinem Urzustand. Und den gilt es zu verstehen. Und so wurde Sebastião spätberufen vom Menschenfotografen zum Landschafts- und Naturfotografen. Doch eins blieb ihm: Die internationale Aufmerksamkeit für seine Projekte!

Auch dank Genesis und Workers, aber nicht zuletzt wegen seines neuesten Buches „Mein Land, unsere Erde„. Man kann also doch etwas bewegen, mit dem gedruckten Bild. Mit einem ganzen Buch…

Storytelling ist das, was seine Dokumentation auszeichnet

Sebastião ist bei allem ein grandioser Geschichtenerzähler. So berichtet er in „Das Salz der Erde“ von einem Affen, der in der Frontlinse seiner Kamera sein eigenes Spiegelbild entdeckt und wieder und wieder den eigenen Finger in den Mund steckt und sich selbst dabei im Spiegelbild der Linse beobachtet. Oder er berichtet von seinem Freund, einem rund 35 Meter langen Wal. Dieser kam so nah an sein Boot heran, dass er ihn streicheln konnte. Sebastião berichtet, wie empfindlich und sonderbar die Haut des Wals ist und dass die Schwanzflosse des Wals förmlich erzittert ist, als er zum ersten Mal die Haut des Wals in Kopfnähe berührte.

Quintessenz

So zeigt er in seinem Leben Zerstörung, aber auch eine Liebeserklärung an unseren Planeten.

Und so endet der Film mit einer Feststellung und einer Aufforderung: Wenn Sebastião eines Tages stirbt wird es in seiner Heimat soviel Wald geben, wie zu seiner Geburt. – Das ist zugleich seine Aufforderung an jeden von uns: Jede Zerstörung ist umkehrbar!

Zitat: ARD TTT

Das Salz der Erde ist ein bewegendes, monumentales Werk, das gerade auf der großen Leinwand eine ungeheure Wucht entfaltet.

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