Canon stellt die neue EOS R vor

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Noch eine Revolution in der Systemkamera-Klasse?

Canon macht es Nikon nach und präsentiert rechtzeitig vor der Photokina die neue Canon EOS R. Die erste spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor aus dem Hause Canon ist da. Und auch die hat ein neues (größeres) Bajonett.

Doch irgendwie ist bei Canon dann doch alles anders. Canon stellt eine Systemkamera vor, Nikon zwei. Nikon hat die höhere Auflösung im Gepäck, Canon das eingebaute WLAN/Bluetooth. Nikon hat die AF-Punkte auf sagenhafte 493 AF-Felder in der Z7 gesteigert und Canon verschweigt die Anzahl der AF-Felder in den technischen Daten. Letzteres mag auf den ersten Blick verwirren, doch anstelle dessen spricht Canon lieber von den verschiedenen AF-Modi (einer ganz neu!) und der Möglichkeit, das AF-Feld einfach auf dem Display mit dem Finger auszuwählen und dies sogleich auch im Sucherbildschirm zu sehen. Irgendwo im Kleingedruckten taucht die (theoretische) AF-Anzahl dann doch auf: Unglaubliche 5.655 AF-Punkte wurden der EOS R spendiert. Allein die Anzahl ist völlig sinnfrei, aber die Möglichkeit, überall auf dem Bildschirm (also auch am Rand) den Fokuspunkt festlegen zu können und dabei seine Größe (und damit die Genauigkeit) variieren zu können, ist beeindruckend.

Technisch unterschiedliche Wege

Nikon und Canon gehen irgendwie unterschiedliche Wege. Mit 54mm (Canon) zu 55mm (Nikon) fällt der Bajonettdurchmesser ähnlich aus. Auch im Gewicht (Nikon: 585 gr, Canon: 580 gr) tun sie sich wenig. Doch mit insgesamt drei unterschiedlichen Bajonett-Adaptern führt Canon den Nikonianern vor, was möglich wäre. Auch die -6LW bei denen der Autofokus der Canon noch schnell und effektiv arbeiten soll, sind weit entfernt von den -3LW, die Nikon bietet. Nikon bleibt damit auf dem Niveau guter Vollformat-Spiegelreflexkameras, Canon stößt in bislang absolut unbekannte Sphären vor. Was -6LW bedeuten, zeigt Canon dann auch gleich auf einer speziellen Landingpage.

Das Spannendste: Die Objektive

Auch bei den Objektiven (die zwangweise, nachdem beide Systemkameras nun neue Bajonette besitzen) sind die Unterschiede groß. Nikon startet mit 3 Optiken in das Jahr 2018, von denen zwei f1.8 haben (35 und 50 mm) und das bislang einzige Zoom (24-70 mm) mit f4.0 aufwartet. Canon hingegen startet mit 4 Objektiven ins Jahr 2018: Zwei Zooms, einmal das 24-105 mit f4.0 und einmal das 28-70 mit der sagenhaften Blende f2.0 und zwei Festbrennweiten. Bei den Festbrennweiten hatte die Gerüchteküche offensichtlich recht: Während Nikon ein 58 mm mit f0.95 und manuellem Fokus für 2019 in Aussicht stellt, liefert Canon ein nagelneues 50mm f1.2 (mit Autofokus!) bereits vier Wochen nach Auslieferungsbeginn der EOS R aus und hat zudem ein vergleichsweise günstiges 35mm 1.8 von Beginn an am Start.

Doch Nikon möchte 2020 mit einem 50er f1.2 nachlegen und zeigt ein recht spannendes Lineup für die neue Z-Objektivserie. Canon hingegen hält sich zurück und zeigt nur die vier Linsen, die 2018 schon verfügbar sein sollen.

Fazit

Es ist kein Kopf-an-Kopf-Rennen, sondern konzeptionell ein unterschiedlicher Weg, den die beiden Platzhirsche eingeschlagen haben. Beide legen großen Wert auf die Kompatibilität der bekannten Optiken und liefern gleich zu Beginn entsprechende Adapter mit. Doch eins bleibt beiden Konzepten gemein: Die spiegellosen Bodies verlieren im Vergleich zu etablierten DSLR’s aus gleichem Haus an Gewicht und Größe. Doch in gleichem Atemzug werden die Objektive (dank neuer Bajonette mit größerem Durchmesser) größer und damit klobiger (also größerer Durchmesser, größere Länge, höheres Gewicht). Die lange den Systemkameras nachgesagte Gewichts- und Volumensersparnis ist somit dahin.

Die Systemkameras des Jahres 2018 sind einfach die nächste Generation professioneller Kameras. Sie werden auf Sicht die DSRL’s ablösen und damit teilweise mehr als 30 Jahre alte Objektive und deren Bajonette. Schon vor 10 Jahren konnte man die Frage stellen, wie lange es dauern würde, bis ein Bajonett grundlegend verändert wird. Nun ist diese Frage beendet. Aber die Fotografie an sich ändert sich auch durch die neue Canon EOS R nicht. Das Zusammenspiel aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Zahl bleibt weiterhin aktuell und wird auch in den nächsten 10 Jahren die Bilder maßgeblich beeinflussen, die wir tagtäglich sehen. Nur, dass beide Systemkameras weniger Bilder pro Akku machen und beide nur über einen SD-Kartenslot verfügen, wird viele Profis zu Beginn vom Neukauf abhalten. Wahrscheinlich so lange, bis die ersten Objektivtests auf dem Markt sind und man den neuen Optiken eine echte Weiterentwicklung attestiert…

 

Zitat: Unbekannt

 

Photography is a way of feeling, of touching, of loving.
What you have caught on film is captured forever…
It remembers little things, long after you have forgotten everything.

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