Die Pause zwischen der Ausgabe 22 und der Ausgabe 23 war zu lang – keine Frage: Doch dafür ist nun die Vorfreude auf die neue Ausgabe 23 umso grösser.



Druck am letzten Donnerstag
Am 2025-11-06 war es endlich soweit: Unsere Redaktion konnte zu unserer Haus- und Hofdruckerei anreisen und ein Tag an den Druckmaschinen verbringen. Morgens gegen 9 Uhr ging es los und abends um 21 Uhr waren alle Druckbögen von vorne bedruckt – aber nur teilweise von hinten. Bevor der zweite Schichtwechsel in der Druckerei anstand, haben wir die Druckerei wieder verlassen und uns auf den knapp zweistündigen Heimweg gemacht.
Ein spannender Tag
Jeder, der einmal live miterlebt hat, was beim Druck eines Magazins alles schiefgehen kann, der wird verstehen, dass solche Tage höchst spannend für uns sind. Denn auch wir hatten schon Fehldrucke, Blasen auf dem Umschlag oder einfach einen Fehler in der Bindung, der den Lesegenuss stört. Alles menschliche Dinge, die bei einem Handwerk passieren können.
Noch ist der Druck nicht fertig und noch sind die Magazine nicht zusammengebaut oder gar verpackt, aber die Hauptarbeit hat hervorragend geklappt. Wäre da nicht dieses Druckmaschinen-Reinigungsmaterial gewesen, dass die Düsen hat verharzen lassen…



Drucken als Handwerk
Wie anstrengend so ein Tag ist und was bedeutet, den ganzen Tag an einer fauchenden Druckmaschine zu stehen, muss man live erlebt haben. Live erlebt haben sollte man auch, wie das Papier auf Paletten hinten in die Maschine eingeführt wird und vorne veredelt wieder herauskommt. Dazwischen: Rund 15 Meter Strecke, die das Papier mit höchster Geschwindigkeit von Bearbeitungsstation zu Bearbeitungsstation weitergereicht wird. Alles per Luftansaugung und mit Hilfe unzähliger Roboterärmchen, die den Druckmeistern jede Menge Arbeit abnehmen – aber nicht jeden Arbeitsschritt.
Denn neben dem Handling des Papiers selbst geht es auch um die Druckplatten. Sie müssen nicht nur richtigherum eingelegt werden, sondern auch in der richtigen Reihenfolge. Denn ist die einmal zerstört, werden garantiert die falschen Seiten auf die Rückseite des Papiers gedruckt. Computer helfen dabei, dass diese Fehler nicht geschehen. Doch wenn der Heidelberger Druckmaschine irgendwo der Schuh drückt, dann piepst es und jede noch so gut einstudierte Routine wird zerstört – mit dem Risiko, dass danach dann ein entscheidender Schritt vergessen werden könnte…

Selbst für uns immer wieder spannend
Auch wenn wir schon zahlreiche Druckabnahmen begleitet haben, ist jeder Druck doch wieder ein besonderes Erlebnis. Denn der Teufel steckt nicht nur im Detail, sondern auch für uns bedeutet dies, dass wir einen Urlaubstag nehmen müssen, vor Ort schnelle Entscheidungen treffen müssen… denn jede Minute, die eine solche Druckstrasse im Stillstand ist, kostet richtig Geld.
Ein paar Einblicke…
Am Ende der Druckstrasse, also dort wo das bedruckte Papier herausgeschossen und automatisch gestapelt wird, dort findet an einem riesigen Computertisch die Erstkontrolle der Druckbögen statt. Mit speziellen Tageslichtlampen ausgestattet ist der Arbeitsplatz des Druckermeisters, der über einen Bildschirm verfügt, der mindestens zwei Meter Bildschirmdiagonale aufweist. Dort besteht – wie man das aus einem Tonstudio kennt – die Möglichkeit, für jede Farbe, die die Maschine geladen hat, eine Feinabstimmung vorzunehmen. Dies geht auf Farbbasis, aber genauso auch bezogen auf das gesamte Druckergebnis.
Wer denkt, dass man einen Druckbogen nur gänzlich anders bedrucken kann (z.B. mehr Schwarztöne), der irrt gewaltig. Hochmoderne Systeme erlauben es, den oberen Bereich eines Bogens kontrastreicher und den unteren Teil kontrastärmer zu drucken. Auch die Stärke der nach dem Druck aufgetragenen Lackierung der Seiten, lässt sich variieren. Die wichtigste Arbeit jedoch ist die Kontrolle der Bilder.
Denn während es für Bedienungsanleitungen reichlich unspektakulär ist, wenn zum Beispiel ein Fahrrad 5% zu hell oder zu dunkel dargestellt wird, ist es dies bei Fine Art Photography eben nicht.



Doch nun heisst es: warten…
Jetzt, wo alle Druckbögen belichtet sind, müssen wir Geduld üben. Denn zum einen muss der Druck trocknen, bevor er weiterverarbeitet werden kann, zum anderen muss am Montag erst noch der Umschlag des Magazins gedruckt werden, bevor er dann ab Dienstag seine Reise nach Holland starten kann.
Denn, was viele nicht wissen: Dass das SWAN Magazine so ein „Handschmeichler“ ist, liegt auch daran, dass das Cover mit einer speziellen „Soft-Touch-Celluphanierung“ veredelt wird. Doch eben diese Veredelungsstufe ist in der Praxis wirklich eine Herausforderung. Denn bevor dieser Arbeitsschritt erfolgen kann, muss die Farbe auf dem Papier wirklich zu 100% durchgetrocknet sein. Ist sie das nicht, wirft das Cover nach der Celluphanierung Blasen – aus einem als Veredlung geplanten Arbeitsschritt wird dann die Vernichtung aller Umschläge – denn ob es geklappt hat oder nicht, sieht man erst, wenn auch die Celluphanierung getrocknet ist.
Es ist ein wenig wie mit dem Füllfederhalter zu schreiben
Hinzu kommt: Je dicker der Umschlag ist, desto länger dauern beide Trocknungsphasen. Doch auch das ist nicht alles: Denn diese Celluphanierung wird immer seltener! Viele kleine Druckereien, die die erforderlichen Maschinen besitzen, um sich von Massenanbietern abgrenzen zu können, können das Papierformat des SWAN Magazines nicht verarbeiten. Gerade mittelgrosse Druckereien leiden spätestens seit der Corona-Krise unter dem „Stuck-in-the-middle-Syndrom“. Sie sind zu klein, um den nächsten Wachstumsschritt zu finanzieren und zu gross, um sich weiter spezialisieren zu können. Die Folge: Gerade mittelgrosse Druckereien verschwinden immer weiter vom Markt. Die grösseren, aufnehmenden Druckereien müssen selbst auf Profitabilität achten und so werden besondere Veredlungsstufen immer seltener.
In unserem Fall war die Celluphanierung schon immer ein ausgelagerter Prozess. Oft gingen die Umschläge für zwei Tage ein paar Orte weiter, um dort diese Veredelung zu erfahren. Doch bei uns hatten mehrere Versuche nicht geklappt. Denn auch solche Maschinen haben neben der maximal verarbeitbaren Papiergrösse (Format) auch Begrenzungen bei der Papierstärke. Die Folge: Ist unser Umschlag fertig gedruckt, begibt er sich auf eine rund 300 km lange Reise ins Nachbarland, um dort veredelt zu werden und danach wieder zu seinem Innenteil zurückzukehren. Logistisch eine Herausforderungen, da nun neben dem Papierhersteller und seinem Logistikpartner zusätzlich die Druckerei und der Celluphanierer koordiniert werden wollen.

Und es gibt noch besondere Sonderfälle…
Toi toi toi nur einmal ist es passiert, dass der LKW mit den frisch celluphanierten Umschlägen verunglückt ist. Kein Personenschaden – aber die Ware konnte nur noch vernichtet werden. Ein anderes Mal hat die Celluphanierung Blasen geworfen, der Umschlag musste neu gedruckt werden und dann er wieder Blasen worfen… dies sind die kleinen Nebenvergnügen, die wir als kleiner Drei-Mann-Verlag auf unserer Reise mit dem SWAN Magazine schon erlebt haben… doch es gäbe mehr zu berichten… doch das würde hier den Rahmen sprengen.



Fokus auf Ausgabe 23
Blicken wir nach vorne: Wir freuen uns schon mächtig auf die Ausgabe 23 und sind schon sehr gespannt auf die ersten Reaktionen aus den vielen Abonnenten und Vorbestellern. Denn bis die ersten Ausgaben bei unseren Abonnenten eingetroffen sind, verraten wir nichts: Nicht, wer die fünf Künstler sind, nicht warum die Ausgabe 23 etwas länger gebraucht hat, bis aus dem Ei geschlüpft ist und auch nicht, wen wir für Ausgabe 24 schon interviewt haben…
Du darfst Dich also darauf freuen, wenn schon bald der Postbote bei Dir klingelt!
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