Im Jahre 1970 arbeitete ein 21jähriger junger Mann als Layouter in einer Fotosatz-Entwicklungsabteilung in Berlin. Alle seine Kollegen waren mit dem Fotografie-Virus infiziert. Und so dauerte es nicht lange, bis Marcellino Hudalla seine erste Kamera kaufte und tat, was seine Kollegen machten: Fotos. Als ehemaliger Sänger verschiedener Bands spezialisierte er sich schnell auf Konzertfotografie und nutzte die Gelegenheit, die Stars der 70er Jahre in Berlin zu treffen: Led Zeppelin, Keith Richards, Robert Plant, Udo Lindenberg und viele andere.
Einzigartige Fotos von internationalen Stars brachten ihn dazu, Geschäfte mit Zeitungen und Magazinen machen zu können. So wurde Marcellino bald gefragt, ob er nicht weitere Star-Fotos machen könne. Eines Tages kündigten Lippmann & Rau (ein ehemaliger Konzertveranstalter) ein Specialevent an: Ein grosses Festival sollte zum Ende des Sommers auf der Waldbühne in Berlin stattfinden. Mit einem einmaligen Lineup: Procol Harum, Canned Heat, Ten Years After und der Jimi Hendrix Experience als Höhepunkt des Abends.
Aber das Wetter war grauenhaft am Festivaltag. Gewitterstürme und Starkregen zwangen den Veranstalter, das Festival kurzfristig von der legendären Waldbühne in die etwas unemotionale Deutschlandhalle zu verlegen.
Dank des spontanen Umzugs startete das Festival mit einigen Stunden Verspätung. Aber Marcellino war vor Ort. Mit seiner Mamiya 6×6 und einem Blitzgerät in der Hand, das nur drei bis fünf Blitze abfeuern konnte, bevor die Akkus leer waren, kämpfte er für seinen Platz im Sicherheitsgraben direkt vor der Bühne. Zwischen allen Auftritten ging Marcellino zurück in den Backstagebereich, um seine Akkus nachzuladen. Tage- und wochenlang war er von der Idee geradezu besessen, ein ikonenhaftes Bild von Jimi Hendrix zu schiessen. Und dann endlich… kam er.
Es war schon nach Mitternacht, als die Jimi Hendrix Experience die Bühne betraten und viele Fans waren GI’s, also amerikanische Soldaten. Doch die waren schon weg, da sie um Mitternacht wieder in der Kaserne sein mussten. Aber Marcellino war immer noch da. Er wartete auf den richtigen Moment…
Jimi sah fantastisch aus in seinem farbenfrohen Outfit – aber irgendetwas war anders: Anstelle von brennenden Guitarren und Soundkaskaden hatte Jimi entschieden, überwiegend blusige Songs wie „Hey Joe“ und „The Wind Cries Mary“ zu spielen. Obwohl das Licht aufgrund des kurzfristigen Umzugs in die Deutschlandhalle besonders schlecht war, konnte Marellino sein Foto schiessen. Zehn Tage später berichteten die Nachrichten über den Tod von Jimi Hendrix. Und Marcellino’s Portrait aus Berlin wurde weltbekannt.
Jetzt, 50 Jahre später, hat das Dia über viele Jahre in einer kleinen Box in Marcellinos Keller gelegen. Dank eines zufälligen Kennenlernens mit den Gründern des SWAN Magazines ist die Idee entstanden, Jimi Hendrix eine besondere Ehre zuteil kommen zu lassen, indem ein Wettbewerb dazu einladen soll, eine Re-Interpretation des legendären Fotos zu schaffen. Übrigens: Das Festival war das vorletzte Konzert, das Jimi Hendrix gegeben hat.